Hoi An, Saigon & Mekong Delta, Vietnam

8. Dezember
der Wiedervereinigungspalast

Die Zugfahrt ab Hue bis Da Nang war aufgrund des felsigen Küstenabschnitts recht spektakulär. Per Taxi ging es dann von Da Nang weiter nach Hoi An.

Die Stadt gefiel uns auf Anhieb! Auch wenn unser Hotel mit 20 USD viel zu teuer war und ein wenig weit vom Stadtkern lag (aber mit Swimmingpool und Frühstücksbuffet), konnte das unserer Laune keinen Abbruch tun. Diese Stadt ist für seine Schneider bekannt, von denen es hier ca. 300 gibt. Es war verdammt schwer in Hoi An nicht in einen Kaufrausch zu verfallen, da es klamottenmäßig alles und mehr gab! Per Shuttle ging es gleich ins Zentrum und auf die Suche nach einem gescheiten Tailor, der wie einige Produkte bei Edeka gut & günstig zu sein hatte.

Wir hofften, diese Kriterien bei Hoa Bien Tailors gefunden zu haben. Aber bevor wir uns endgültig für sie entschieden, brauchten wir erst einmal etwas zu essen. Wir probierten im „Retreat“ ein typisches Gericht in Hoi An namens „Cao Lau“. Das sind teigige, flache Nudeln mit Croutons, Bambussprossen, Gemüse und in unserem Fall Garnelen, die in einer pikanten Brühe serviert werden. Es schmeckte unheimlich gut! So gestärkt verglichen wir noch die Preise bei einem anderen Schneider, kehrten aber doch zu unserer ersten Wahl zurück. Nach einer ersten Besprechung samt Stoffauswahl (Ricardo legte als Vorlage einfach mal das Foto eines Anzugs aus dem neuen James Bond vor) schlenderten wir die Altstadt entlang, welche von der Unesco zur Welterbestätte ernannt wurde. Hoi An liegt an einem Fluss und strahlt mit seinen hübschen Häusern und Restaurants eine tolle Atmosphäre aus. Wir schlürften noch einen Kaffee mit süßer Milch im Cafe 57 (danke für die Empfehlung, Nora und Marlena!) und dann war der Tag auch schon wieder vorbei. Zu Fuß ging es den laaangen Weg zurück ins Hotel.

Am nächsten Tag um 10 Uhr stand dann das erste „Fitting“ an. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Schneiderinnen tags zuvor erst um 15 Uhr unsere Maße genommen haben. Wir liehen uns für je 1 USD Fahrräder aus und waren gespannt wie die Flitzebogen! Zu unserer Überraschung mussten nur ein paar kleine Änderungen vorgenommen werden. Insgesamt mussten wir dann aber viermal zur Anprobe, bis alles unseren Wünschen entsprach.

Zwischen den Anproben nutzten wir die Zeit, um die Gegend mit dem Fahrrad zu erkunden. Wir fuhren über den Markt und dann auf die Hoi An Halbinsel und in das Cafe 43. Sehr günstiges und vor allem unfassbar leckeres Essen. Unser Favorit waren die frittierten Frühlingsrollen mit Shrimps (1 € für 5 Stück) und hier gab es auch das günstigste Bier für 11 Cent! Wir hätten nicht gedacht, dass das Bier für 18 Cent in Hanoi noch getoppt werden könnte.

Nachdem am nächsten Tag alle Notwendigkeiten erledigt waren, fuhren wir zum 5 km entfernten Strand und waren positiv überrascht. Schöner Sand und klares Wasser mit ein paar Wellen. Es war ein super Tag und wir konnten in nur ein paar Stunden wunderbar entspannen.

Am Abend holten wir dann endlich unsere geschneiderten Klamotten ab und schickten ein großes Paket ab nach Hause! Nach so einem anstrengenden Tag hatten wir uns natürlich wieder Leckereien im Cafe 43 verdient und wurden nicht enttäuscht! Aber uns überkam die Einsicht, dass wir Hoi An eigentlich noch nicht so schnell verlassen wollten.

Neben Ubud gefällt es uns hier auf unserer Reise, was asiatische Städte angeht, am Besten! Aber wir hatten leider keine Wahl mehr, da unser Visum am 15.12. ausläuft und das Zugticket nach Saigon schon gekauft war. Also genossen wir die letzten Stunden und am nächsten Morgen ging es um 11.15 Uhr mit dem Zug auf die 18-stündige Fahrt. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir die vielen Bauprojekte in Strandnähe um Hoi An und Da Nang. Bleibt zu hoffen, dass sich Hoi An seinen unverwechselbaren Charme bewahrt!

Saigon wird eigentlich mittlerweile Ho-Chi-Minh-Stadt genannt, aber bis auf ein paar Menschen in Uniform benutzt jeder weiterhin den alten Namen. Da wir wieder einmal nachts ankamen, hatten wir ein Zimmer im Voraus gebucht und erreichten unser Hotel nach einer kurzen Taxifahrt kurz vor 5 Uhr. Da wir noch hundemüde waren, legten wir uns noch einmal 3 Stunden schlafen.

Zum Frühstücken fanden wir dann die ABC Bäckerei mit günstigen, großen und leckeren Baguettes. Danach klapperten wir ein paar Reisebüros ab, da wir aufgrund unseres bald ablaufenden Visums das Land via Kambodscha verlassen wollten und verglichen Programme und Preise bzgl. der 2 Tages-Mekong-Delta-Tour mit Exit Kambodscha. Schließlich fanden wir etwas Passendes und so machten wir uns daran die Sehenswürdigkeiten Saigons abzuklappern.

Zuerst kamen wir am hinduistischen Mariamman-Tempel vorbei, der aber gerade leider geschlossen war. Über einen Park voller moderner Skulpturen und Weihnachtsdeko ging es weiter zur Pagode des Jadekaisers, welche die kantonesische Quang-Dong-Gemeinde 1909 errichten ließ. Die Innenräume sind mit Statuen verschiedener Gottheiten und Helden bestückt. Ein absolutes Muss bei einem Besuch in Saigon ist das Kriegsrestemuseum. Draußen erwarten den Besucher jede Menge Kriegsgeräte der US-Army, wie etwa Panzer oder Flugzeuge. Drinnen geht es dann recht gedrückt zu.
Eine Vielzahl von Plakaten und Fotos dokumentiert die ganze Grausamkeit des Vietnamkrieges und aus dem Schweigen und der Mienen der Besucher kann man die Betroffenheit und das Entsetzen leicht ablesen. Vor allem die zahllosen, von dem Entlaubungsmittel Agent Orange hervorgerufenen Behinderungen, sind kaum mit anzusehen.

Zudem sind ein paar unfassbare Gräueltaten der US-Armee dokumentiert, die man ebenfalls kaum glauben mag. Die Dokumentation mag zwar einseitig und auch ein Stück weit propagandistisch sein, die Bilder aber sprechen für sich.
Mit einem dicken Kloß im Hals verlassen wir das Museum und gehen ein paar Schritte weiter zum Wiedervereinigungspalast. Hier musste sich HCMS den kommunistischen Nordvietnamesen ergeben und deren Panzer durchbrachen im April 1975 die Tore des Palastes. Geschichtlich sicher sehr interessant, aber bei der Besichtigung leider ziemlich langweilig, so dass wir den Palast rasch wieder verlassen und eine Essenspause im „Quan An Ngon“ einlegen, dem LP Tipp für Saigon. Der Versuch einer Bestellung von fleischloser Suppe gestaltete sich als äußerst schwierig. Ricardo wollte auf gar keinen Fall Schwein in seiner Suppe. In Vietnam wird nämlich zu Hauf Schweinefleisch gegessen und so ist auch in Suppen mit z.B. Krabben Schwein enthalten. Nach dem vierten Bestellversuch sollte es dann klappen. Ricardo bekam eine Krabbensuppe ohne Schweinefleisch.

Oder doch nicht? So nach der Hälfte kam so ein dunkelbraunes labbriges Stück zum Vorschein. Bei der Frage was das denn sein solle, kam Schweineleber als Antwort! Sie entschuldigten sich zwar tausendmal, aber das zauberte die leckere Leber auch nicht mehr aus dem Teller. Also ging es halb hungrig weiter zur Notre-Dame-Kathedrale und dann über einen weiteren Park ziemlich erschöpft ins Hotel.

Am nächsten Tag standen die Cu-Chi-Tunnel auf unserem Programm. Das Tunnelsystem von Cu-Chi war über 200 km lang und die Umgebung war das meist bombardierte, beschossene, begaste, entwaldete und verwüstete Gebiet der Kriegsgeschichte.

Die Fahrt dorthin im engen Minibus dauerte mit Zwischenstopp ca. 2,5 Stunden. Unser Guide fing schon während dieser Fahrt an Schmankerl über die Vorzüge vom Zusammenleben mit einer jüngeren Frau zu erzählen und sang schon einmal ein paar selbst komponierte Lieder über Vietnam, darunter auch den „Cu-Chi-Tunnel-Song“. Dieser begleitet uns noch heute als ständiger Ohrwurm: „Follow me to the Cu-Chi-Tunnel!“ Er war schon ein lustiges Kerlchen, obwohl er selber den Krieg hautnah miterlebte. Bis auf ihn und seinen Vater wurden alle seine Familienangehörigen im Krieg getötet. Er selbst überlebte nur mit Glück, wurde er doch am Bein verletzt und sein halber Armmuskel weggeschossen. Daher wurde er runter in die Tunnel gebracht, wo es ein notdürftiges Hospital gab. Er lebte, wie viele andere auch, mehrere Monate ohne frische Luft oder Sonnenlicht in den Tunneln.

Die Besichtigung der Gegend und das Begehen des engen Tunnelsystems (früher 1 m * 60 cm – heute für uns Touristen erweitert, aber immer noch super eng!) war schon recht lehrreich. Den völlig hirnrissigen Schießstand für die Touris, wo man gegen einige Dollar AK-47 und vieles mehr abfeuern konnte, hätten sie sich aber besser sparen sollen. Zum Schluss gab es noch einen „propagandistischen Aufklärungsfilm“ und um 15 Uhr waren wir zurück in Saigon. Dort aßen wir noch etwas und setzten uns mit dem Hotelmitarbeiter auseinander, wollte er doch für unsere frühe Ankunft tags zuvor extra Geld, im Sinne von voller Preis, von uns. Wir einigten uns auf die Hälfte und waren trotzdem alle sauer. Gut, das wir nur noch eine Nacht in diesem „Bettlaken-voller-Haare-aus der-unteren-Region-des-Körpers-stammend-Hotel“ verbringen mussten. Für den nächsten Tag hatten wir ja die Mekong-Delta-Tour gebucht.

Kaum fuhr der Bus los, erklärte uns der Tourguide erst einmal, dass aufgrund der Tatsache, dass wir ja alle verschiedene Programme hatten, er sein eigenes Programm durchzieht! Dies bestand aus dem Besuch einer Kokosnussbonbonfabrik, einer Krokodilfarm, einer Fischfarm und eines Inseldorfes mit ethnischen Minderheiten. Die ersten beiden Programmpunkte standen nicht auf unserem Plan und wir hatten auch nicht vor, eine Krokodilfarm zu besuchen. Im Bus guckten sich alle verdutzt um und auf Fragen reagierte unser Guide allergisch. Sei`s drum, wir mussten ja schließlich irgendwie nach Kambodscha.

Nach längerer Busfahrt saßen wir dann endlich auf einem Boot und schipperten das Delta entlang. In der gesamten Region leben 22 Mio. Menschen, mehr als in ganz Australien. Die meisten leben vom Fischfang oder vom Gemüseanbau in dieser fruchtbaren Region. Die Kokosfabrik hatte wenigstens extrem leckere Kokosbonbons für wenig Dong im Angebot, so dass sich dieser Besuch süßigkeitentechnisch schon mal gelohnt hat. Danach ging es zu den schwimmenden Märkten, der Hauptattraktion in der Umgebung. Hier werden 24 Stunden täglich tonnenweise Gemüse und Obst an den Mann/Frau gebracht. Die Hauptzeit für das wilde Treiben hatten wir aber schon verpasst.

Im Anschluss schipperten wir auf eine Insel und per Rad weiter zum Mittagessen, welches besser als gedacht war. Während dieser Bootsfahrt hat sich der Guide tatsächlich in romantischer Atmosphäre für sein Musikvideo filmen lassen!!! Fremdschämen war da das Stichwort!

Nach dem Mittagessen bekam unser Guide auch noch einen hysterischen Anfall, als einer der Mitreisenden nach dem schwimmenden Märkten fragte. Er schrie wild rum und brachte die ohnehin nicht allzu gute Stimmung zum Erliegen. Wir hatten uns von diesem Trip wohl alle mehr versprochen. Anschließend sammelten wir neue Leute auf, die auch nach Kambodscha wollten.

Danach ging es per Bus zu der Krokodilfarm, wo wir uns mit Mitarbeitern darüber unterhielten, warum es keine Krokodile mehr in freier Wildbahn in Vietnam gab. Fazit: Zu gefährlich diese Kroks! Ne, ist klar!

Nach genau 25 Minuten ging es weiter zu unserem Floating Hotel. Dieses war ganz hübsch und hatte, da es auf dem Mekong trieb, eine perfekte Aussicht. Unser Zimmer war mit wifi, Bad & TV ausgestattet und für unseren bezahlten Tourpreis wirklich gut. Auch hier hatten wir wieder am wenigsten von allen bezahlt. Andere hatten bei der Zimmerverteilung nicht so ein Glück! Nach einem kleinen Frühstück ging es am nächsten Morgen per Boot und einem anderen Guide zu einer Fischfarm. Ja, spannend ist anders!

Anschließend ging es auf die „Minderheiteninsel“ für die wir genau 30 Minuten Zeit hatten! Wir durften einmal im Kreis gehen und die Menschen wie in einem Zoo anschauen. AAAAHHHHHH! Was für eine Tour! Per Speedboat ging es dann zur Grenze in Chau Doc. Da einige das Slowboat gewählt und natürlich auch bereits bezahlt hatten, musste der Guide 5 USD pro Person von denjenigen verlangen, weil es nämlich gar kein Slowboat gab! Eine absolute Verarsche!

Andere hatten für das Speedboat deutlich mehr gezahlt und 5 USD waren somit ein Schnäppchen! Uns konnte es immer noch egal sein. Der neue Guide war eine Spur freundlicher als sein Vorgänger. Noch! Bevor wir die Grenze erreichten sammelte er von jedem 25 USD für das kambodschanische Visum ein und wir machten uns zum Grenzposten auf. Alles verlief reibungslos, bis auf die Tatsache, dass sich der Guide nach der Visaangelegenheit klammheimlich aus dem Staub gemacht hatte. Der Grund war schnell klar: Auf dem Visum erkannten wir, dass es nur 20 USD gekostet hätte! Also war der Typ jetzt bei mittlerweile 24 Personen um 120 USD reicher! Unglaublich! Der jetzt dritte Guide wusste von nichts und anrufen konnte und wollte er auch nicht. Herrlich!

Nach 4-stündiger, wirklich schöner Mekongfahrt, waren wir dann in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas.

Wir hatten im Vorfeld mit einigen Reisenden gesprochen, die in Vietnam waren und deren Fazit lautete meist so: „Vietnam hat uns nicht so gefallen. Die Menschen sind unfreundlich und sehen in den Touristen nur laufende Dollar! Nicht zu empfehlen!“ Das können wir nun wirklich nicht bestätigen. Bis auf die Mekong-Delta-Tour war Vietnam ein wirkliches Highlight und die Menschen unglaublich nett. Der Abschied fiel uns nach 23 Tagen recht schwer und wir wären gerne noch länger in diesem interessanten Land geblieben!

Und wenn die Welt heute nicht untergeht, bloggen wir noch morgen!

Wir wünschen euch allen ein frohes Fest sowie erholsame und besinnliche Feiertage!!!

Frohe Weihnachten!

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