Phnom Penh, Choeung Ek & Siem Reap, Kambodscha

30. Dezember
Eingangstor zum Angkor Thom

In Phnom Penh geht es wieder in das Angkor Mithona Guesthouse. Wir laden nur kurz unsere Sachen ab und begeben uns noch einmal zum Königspalast. Da der Palast immer noch geschlossen ist und uns 20 USD nur für die Silberpagode zu teuer sind, belassen wir es bei ein paar Fotos von außen.

Danach geht es in das Nationalmuseum. Muss ja auch mal sein. Hier findet man u.a. die weltweit großartigste Skulpturensammlung aus der Angkor-Zeit, darunter ein riesig wirkendes Paar ringender Affen.

Danach geht es hungrig ins „Friends“ einem Ausbildungsrestaurant für Straßenkinder. Das Essen ist hier etwas teurer, schmeckt aber ausgezeichnet. Nach ein paar Abendbierchen geht es auch schon ins Bett, da wir am letzten Tag des Jahres zu zwei Orten in Kambodscha fahren wollen, die wohl die dunkelsten Jahre des Landes repräsentieren: die Killing Fields von Choeung Ek und das Tuol-Sleng-Museum, das auch S-21 genannt wird.

Hier eine kurze geschichtliche Zusammenfassung der Ereignisse:

Im April 1975 haben die Rote Khmer Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh eingenommen und begannen eine der weltweit brutalsten Revolutionen. Ihr Anführer Pol Pot, mit richtigem Namen Saloth Sar, hatte in jüngeren Jahren ein Stipendium für ein Studium in Paris gewonnen, wo er seine radikalen marxistischen Ideen, die dann in einem extremen Maoismus mündeten, zu entwickeln begann. Er verwandelte Kambodscha in ein einziges Zwangsarbeiterlager, benannte es in Demokratisches Kampuchea um und plante so, das Land in eine riesige, aus Bauern bestehende, landwirtschaftliche Kooperative zu verwandeln. In wenigen Tagen wurden die Einwohner Phnom Penhs und aller Provinzstädte auf das Land getrieben, wo sie dann als Sklaven die Felder bestellen mussten. Menschen mit Brillen, sanften Händen oder die einer fremden Sprache mächtig waren – sprich alle, die auch nur im Entferntesten intellektuell sein konnten – wurden systematisch ausgerottet. Auf diese Weise wurde die komplette Elite eines Landes ausgelöscht.
Die Lebensmittel für die Bevölkerung wurden streng rationiert, so dass schon viele an Unterernährung und/oder durch die harte körperliche Arbeit starben. In den Arbeitslagern starben viele Menschen an Krankheiten wie Malaria oder Amöbenruhr. Diejenigen, die nicht den Krankheiten zum Opfer fielen, wurden früher oder später grauenvoll hingerichtet.

Wir vereinbarten mit einem TukTuk-Fahrer mit 14 USD für den ganzen Tag einen annehmbaren Preis und ließen uns um 9 Uhr in die 14 km südlich von Phnom Penh befindlichen Killing Fields bringen. Mit einem Audioführer gingen wir dann das Areal ab. Wir erschauderten förmlich bei den verschiedenen Audiokommentaren zu den einzelnen Plätzen oder Gräbern, bei der unfassbaren Brutalität und dem Grauen, welchem die Menschen ausgesetzt waren.
Zum Teil geht man über Knochen und Kleidungsstücke, die durch den Regen immer mal wieder an die Oberfläche gespült werden. Man sieht mehrere Hügel, die durch die ganzen Verwesungsgase der Toten darunter entstanden sind oder hält an Massengräbern hunderter toter Kinder und Frauen. Grausamer Höhepunkt ist ein massiver Baum, an dem Babys der Kopf eingeschlagen wurde.

Die Roten Khmer achteten penibel darauf, alle Mitglieder einer Familie umzubringen, damit sich später keiner auf irgendeine Art rächen konnte.
Um Munition zu sparen, wurden die Menschen zum Teil mit ihren eigenen Arbeitsgeräten erschlagen, z.B. mit einer Spitzhacke, einer Schaufel etc.. In Choeung Ek steht zudem ein Baum mit harten, scharfen Blättern, welche zum Durchtrennen der Kehle verwendet wurden.
Hingerichtet wurden die Gefangenen meist am Abend, wenn alle in den Hütten zusammengepfercht waren. Es wurde dabei immer zeimlich laut das gleiche Lied gespielt, sowie grelles Neonlicht angemacht, so dass man die Schreie nicht hören konnte, jeder aber wissen musste, was da gerade passiert. Allein dieses Vorgehen war sicher die reinste psychische Folter für die Gefangenen.

Den letzten Teil des Rundganges bildet ein Gedenkstupa mit tausenden Schädeln, Knochen und Kleidungsstücken darin. Hier kann man zum Teil erkennen, mit welchem Werkzeug demjenigen der Schädel eingeschlagen wurde!

Nach so viel Grausamkeit wollen wir S-21 eigentlich gar nicht mehr sehen, ringen uns aber doch dazu durch.

Dieses Sicherheitsgefängnis war ursprünglich ein Gymnasium. Die einzelnen Klassenzimmer wurden zu Folterkammern oder Gefängniszellen umfunktioniert, in denen täglich um die 100 Menschen getötet wurden.
Die Roten Khmer führten wie die Nazis akribisch Buch und fotografierten jeden Gefangen des S-21. Irgendwann kamen sie mit dem Töten im S-21 nicht mehr hinterher und so wurden die Gefangenen unter falschen Versprechungen zu den Killing Fields gebracht, wo sie meist direkt nach ihrer Ankunft am Abend zu Tode geprügelt wurden.

Beim Durchgehen der einzelnen Gebäude findet man mehrere Räume, die alle einen bestimmten Zweck hatten. Die Folterzimmern waren meist nur mit einem Metallbett, Ketten und einer Dose für Exkremente ausgestattet. Diese Zimmer waren immer nur für einen Gefangenen vorgesehen, der dann zu Tode gefoltert wurde und vorher irgendwelche erzwungenen Geständnisse abgeben musste, bis dann der nächste an der Reihe war.

Andere Zimmer wiederum dienten der Gemeinschaftsunterbringung, wo die Gefangenen einfach zu dutzenden an die Wand gekettet wurden.
In anderen ehemaligen Klassenzimmern wurden winzige Zellen aus Stein oder Holz gebaut, wo dann Einzelhaft verordnet wurde.

Die Gebäude selbst waren von oben bis unten mit Stacheldraht befestigt und auf dem Hof kann man noch Überreste von Folterinstrumenten sehen.

Als schließlich die vietnamesische Armee 1979 Phnom Penh befreite, waren lediglich 7 von 17000 Häftlingen noch am Leben!

Insgesamt kostete Pol Pots Herrschaft mindestens 1,7 Millionen Menschen das Leben, was damals ungefähr ein Viertel der Bevölkerung Kambodschas entsprach.
Besonders schockierend ist zudem, das die Roten Khmer auch nach ihrer Entmachtung durch die Vietnamesische Invasion von den Vereinten Nationen als legitime Vertretung Kambodschas anerkannt wurden. Zudem wurde bis heute lediglich ein (!) Verantwortlicher der Roten Khmer für seine Taten verurteilt wurde. Gegen vier weitere läuft der Prozess noch. Pol Pot wurde nie vor Gericht gestellt und starb in hohem Alter.

Wir fahren mit entsprechender Stimmung zurück zum Hotel, gehen noch etwas Essen und „feiern“ in das Jahr 2013, aufgrund eines mit 5 Minuten zu frühen Countdowns unseres Hotels, alleine und auf einer leeren (sonst aber vollen!?) Straße – positiv ausgedrückt – entspannt rein.

Neujahr verbringen wir mit leckerem Bier im hoteleigenen Restaurant bei der vergeblichen Suche nach Flügen mit Ziel Australien. Ist uns leider alles viel zu teuer.

Am 02.01.2013 machen wir uns mit dem Bus nach Siem Reap auf, um uns endlich die Attraktion schlechthin in Kambodscha anzuschauen: Angkor.

Wir entscheiden uns, wie die meisten auch, für das 3-Tages-Ticket für 40 USD. Da wir uns das Ticket nach 17 Uhr kaufen, können wir noch rein, um uns den Sonnenuntergang über Angkor anzuschauen. Ist, da die Sonne im Nirgendwo untergeht und keine Tempel in der Nähe sind, super unspektakulär.

Wir machen uns auf den Rückweg und haben zum ersten Mal auf unserer Reise mächtig Stress mit jemandem, bzw. der gesamten Familie. In Kurzform: Vater schmeißt Plastikflasche neben Tempel trotz vorhandener Mülleimer. Wir sprechen ihn darauf an, er rastet aus. Diskussion hin und her. Es sei schließlich ihr Land und sie könnten machen, was sie wollten. Ein paar Minuten später fällt ihnen dann das Argument schlechthin ein: Sie meinen, wir sollten dann doch auch alle Blätter aufsammeln; ist ja das Gleiche! Wirklich erschreckend diese Ignoranz und Dummheit! Die ganze Familie verfolgt uns gar mit ihrem dicken SUV, sie brüllen uns an und beschimpfen uns wüst, so dass sich eine Schar von Tuk-Tuk-Fahrern um uns bildet, bis unser Fahrer endlich auftaucht. Er ist entsetzt über deren Verhalten und schämt sich für seine Landsleute. Er erzählte uns noch, wie schwierig es wegen der Korruption für Einheimische ist gegen solche „reichen“ Kambodschaner zu bestehen; vor allem vor Gericht! Kambodscha liegt beim Korruptionsindex auf Platz 157 von 174. (Zum Vergleich: Laos Nr.160, Myanmar Nr. 172, Deutschland Nr. 14). Zurück im Hotel entschuldigt er sich noch einmal, wobei wir ihm klar machen, dass es ja nicht seine Schuld ist.
Unschön war dieses Erlebnis aber allemal.

Am nächsten Tag fahren wir die große Runde per Tuk-Tuk und besichtigen eine Vielzahl von Tempeln den ganzen Tag über: Preah Khan, Preah Neak Pean, Ta Som, Östlicher Mebon, Pre Rup, Sra Srang, Banteay Kdei und unser Highlight für diesen Tag ist Ta Prohm, wo sich Wurzeln und ganze Bäume ihren Weg durch die Tempel bahnen.

Auch wenn wir von Tempel zu Tempel gefahren wurden, so ist Tempelbesteigen an sich schon anstrengend genug! So lassenen wir den Tag also mit gezapftem Bier für USD 0,50 und günstigem Tofu-Curry ausklingen.

An Tag zwei ist frühes Aufstehen angesagt, wollen wir doch die Sonne über Angkor Wat aufgehen sehen. Um 5 Uhr sitzen wir auf dem Tuk-Tuk und 45 Minuten später werden wir mit einem schönen Sonnenaufgang über Angkor Wat belohnt. Da die meisten Touris danach erst einmal frühstücken, teilen wir Angkor Wat nur mit wenigen anderen und genießen die Ruhe.
Da uns Ta Prohm tags zuvor so gut gefallen hat, lassen wir uns noch einmal hin bringen und haben auch hier Glück. Nur wenige Menschen sind in der Anlage, so dass wir Zeit für Fotos ohne Gedränge am „Lara Croft-Baum“ haben. Danach geht es über das gewaltige Angkor Thom mit vielen Tempeln und der bekannten Terrasse der Elefanten zum für uns beeindrucktesten Tempel in Angkor, dem Bayon. Die Türme sind mit 216 enormen, kühl lächelnden Gesichtern bestückt, die wohl eine Ähnlichkeit mit dem König Jayavarman VII haben. Bayon gefiel uns, nicht zuletzt aufgrund der schönen Gesichter, am besten.

Da wir am ersten Tag schon so viel gesehen haben und einem Tempelkoller vorbeugen möchten, belassen wir es hierbei und lassen uns im Restaurant „Haven“ absetzen. Dies wird von zwei Schweizern geleitet, die vorher 2 Jahre um die Welt gereist sind. Es hilft, ähnlich wie das „Friends“ in Phnom Penh, Jugendlichen, die in einem Waisenhaus aufgewachsen sind, aber aufgrund ihres Alters dann auf die Straße gesetzt werden, mit einer Ausbildung in ihrem Restaurant. Und dort finden wir ihn: Den besten Kaffee auf unserer Reise! Einen richtigen Latte Macchiato! Und das Essen ist auch sehr, sehr lecker!
Den restlichen Tag schlendern wir in Siem Reap über die Märkte und treffen an einem Essensstand auf dem Nachtmarkt die Schweizer Rebecca und Michael wieder, die wir am Otres Beach kennengelernt hatten.

Da wir es in Siem Reap sehr entspannend finden und uns wohl fühlen, beschließen wir, einen Tag Tempelpause zu machen. Den halben Tag verbringen wir kaffeetrinkend in gemütlichen Sesseln im Haven und durchforsten (mal wieder) das Internet nach bezahlbaren Flügen nach Australien. So kann man einen Tag auch rumbringen!

Am letzten Tag lassen wir uns noch einmal zum Bayon kutschieren und fahren dann weiter in den Norden zum Tempel Banteay Srei, der mit sehr schönen Steinbildhauereien beeindrucken kann. Abends geht es über den Nachtmarkt, wo jeder von uns sich ein Shirt für USD 2 gönnt und noch ein paar andere Kleinigkeiten…

Am nächsten Morgen geht es dann mit dem Bus über die Grenze nach Thailand und weiter nach Bangkok.

Kambodscha hat uns zwar gut gefallen, jedoch hatten wir hier eher das Gefühl wie wandelnde Dollar behandelt zu werden. Und vor allem die vielen Straßenkinder und Bettler fallen einem stärker ins Auge als bei den zuvor besuchten Ländern auf unserer Reise.Man merkt deutlich, dass Kambodscha immer noch eines der ärmsten Länder in dieser Region ist.

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