Sulawesi, Indonesien

14. September

Als Zwischenstopp nach Sulawesi stand Balikpapan in Kalimantan auf dem Plan. Eine gute Möglichkeit für uns die Stadt kurz zu erkunden. Nachdem sich uns ein netter Indonesier annahm und die aufdringlichen Taxifahrer verscheuchte, liefen wir nach einer kurzen Fahrt einfach ein bisschen die Hauptstraße entlang. Nichts Spektakuläres, aber wir fanden ein nettes Cafe/Restaurant, das mit dem Ambiente genauso gut in Hamburg hätte sein können. Es wurden kurz die Emails gecheckt und ne Kleinigkeit gegessen und dann ging es auch schon wieder zurück zur Fähre. Zu dieser Zeit hatten wir schon 23 Stunden geschafft!!!

In Pare Pare auf Sulawesi angekommen war der erste Eindruck ernüchternd. Im Zentrum fanden wir nur ein Hostel und das Zimmer war das bis jetzt ätzendste, das wir hatten. Noch dazu war die Frau, die da arbeitete, total unfreundlich und richtig angepisst die Treppe hochsteigen zu müssen, um uns ein Zimmer zu zeigen. Danke, Lonely Planet, für den Tipp: „Das von einer sehr freundlichen Familie geführte Hotel…“

Im Nachhinein hätte man sich diesen Ort wirklich sparen können und direkt weiter nach Rantepao fahren sollen. Es gab wirklich nichts zu tun, keine guten Essensmöglichkeiten (nur KFC) und sogar die Buchung der nächsten Busfahrt gestaltete sich als schwierig. Wir konnten dann wenigstens noch diesen Ausblick auf die Stadt genießen. Als wir dann aber zurück ins Zentrum wollten, fuhr kein einziger Minibus in unsere Richtung. Aber wie der Zufall manchmal so spielt, hielt eine nette Zahnärztin mit ihrem Auto an und fuhr uns zu unserem Hostel, das nicht einmal auf ihrem Weg lag. Da wurden gleich mal die Facebooknamen notiert!

Nach langem Suchen und Hoffen, dass an dem menschenleeren Busbahnhof tatsächlich um die besagte Uhrzeit ein Bus fuhr, saßen wir schlussendlich doch im Bus Richtung Rantepao. Die Fahrt dauerte ca. 6 Stunden und der kleine Bus schlängelte sich durch enge Kurven immer höher ins Land der Toraja. Wir stiegen in Rantepao aus, da es der beste Ausgangsort der Region ist und fanden gleich ein super Hostel.

Das Leben der Toraja wird geprägt von ihrem Glauben, den Geistern, Dämonen, ihrem Ahnenkult, sowie dem Geld verdienen um die unfassbar teuren Zeremonien bezahlen zu können. Sie glauben daran, dass das Leben nur ein Übergang ins bedeutsamere Jenseits ist. Stirbt ein Toraja, wird er einbalsamiert und im hinteren Teil des jeweiligen Hauses aufbewahrt. Denn bis es zur Beerdigungszeremonie kommt, können manchmal Jahre vergehen! Die Menschen sind in sogenannte Klassen eingeteilt und je höher die Klasse oder der Stand des Verstorbenen ist, desto mehr Büffel und Schweine werden bei der Zeremonie getötet. Wasserbüffel sind hier ein Zeichen für Reichtum und Macht und der Verstorbene gilt erst als tot, wenn ein Büffel getötet wurde. Es werden zudem viele Grabbeigaben gemacht, da die Toraja daran glauben alles über den Tod hinaus mitnehmen zu können. Begraben werden sie in schön geschnitzten Särgen z.B. in Büffel- oder Schweineform und dann je nach Stand an Felswänden oder in Höhlen hoch oder etwas tiefer gehängt. Vor deren Eingängen stehen dann sogenannte Tau Tau, das sind geschnitzte Puppen, die auch manchmal eine Ähnlichkeit mit dem Toten selbst aufweisen können.

Am nächsten Tag ging es für uns per Minibus zu einem der größten Höhlengräber der Region in Londa und einer Grabstätte in Lemo. Alles ziemlich merkwürdig für Außenstehende und trotzdem alles sehenswert und super interessant.

Für uns war es dann einen Tag später soweit, selbst einmal einer solchen Zeremonie beizuwohnen! Wir nahmen uns einen Guide und fuhren per Motoroller erst zu einem Viehmarkt und dann zur Beerdigung. Diese finden meist auf einem großen Platz statt, wo drum herum viele Hütten für die Gäste stehen, die extra für die Beerdigung aufgestellt werden. Es gibt einen Zeremonienmeister, der den gesamten Ablauf bestimmt. Alle Gäste bringen entweder lebende Schweine oder auch Zigaretten als Gastgeschenk mit. (Wir kauften eine Stangen Ziesen!) Es wird nämlich viel geraucht und Palmölwein getrunken und etwas zu Essen bekommt man auch.

Die Zeremonie an sich war seltsam, befremdlich, blutig und faszinierend zugleich! Die dort geschlachteten Tiere taten uns natürlich leid, vor allem der Büffel, der eine 5 minütige Leidenszeit hatte bevor er vollständig ausgeblutet und gestorben ist. Und überall dieses entsetzlich laute Schweine quieken! Wir waren den restlichen Tag wirklich bedient.

Am nächsten Tag ging es dann wieder mit dem Roller durch Toraja, da wir zu den „Baby Graves“ wollten. Der Weg dorthin führte durch eine herrlich grüne, saubere Landschaft. Die Baby Gräber werden in Bäume gehängt, damit die Babys im nächsten Leben so wachsen können wie der Baum.

Wir haben lange überlegt, ob man die Fotos zeigen sollte oder nicht und uns dafür entschieden, da es einfach zu der Kultur der Toraja gehört. (Es ist trotzdem die absolute Light-Version ohne Gedärme, Gehäute und literweise Blut!)

Nach einer ereignisreichen Woche machten wir uns auf den 10-stündigen Weg nach Makassar per Luxusbus mit Beinfreiheit bis Meppen. Die Fahrt ging angenehm schnell vorüber und wir quartierten uns in einem Hostel ein. Am nächsten Tag machten wir noch etwas Sightseeing im Fort Rotterdam (unsere bisher langweiligste Aktivität, obwohl sie mit das Highlight der Stadt ist) und dem Fischmarkt direkt am Hafen. Es gab frischen Fisch für wenig Geld. Wir schauten uns noch ein wenig im Hafen um und fuhren dann per Fahrradtaxi zurück. Einen Tag später ging es dann wieder mal auf eine lange Fährfahrt (18 Stunden) nach Flores. Mehr von der Fahrt im Zweibettzimmer mit unerwünschten Untermietern im nächsten Bericht.

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