Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Beijing nach Moskau

06. April 2013
die Transib im Einsatz

Um 22 Uhr checken wir aus dem Hotel aus und laufen den kurzen Weg zum Bahnhof. Viel länger hätte der Weg aufgrund unserer vielen Fressalien, die wir mit uns herum schleppen, auch nicht sein dürfen. Nach dem obligatorischen Security Check (besonders unsere Wasserkanister standen auf dem Prüfstand) und kurzen Orientierungsschwierigkeiten, finden wir die richtige Wartezone. Mmh, ziemlich leer hier!

Unsere Sorge, dass wir unser 4-Abteil für 6 Tage mit vielleicht völlig unsympathischen Leuten teilen müssen, bekommt damit keine neue Nahrung.

Während wir warten lernen wir bereits zwei Mitreisende aus Kanada (Nick) und Bulgarien kennen. Ansonsten sehen wir noch ein paar Russen und Chinesen, die ebenfalls darauf warten einsteigen zu können. Dann folgt auch schon die Durchsage, dass es losgeht! Also runter zum Gleis, wo sämtliche Tickets und Papiere überprüft werden und dann geht es voller Spannung in das Abteil. Glücklicherweise ist dieses dann wesentlich besser als erwartet! Und siehe da: Wir sind bis jetzt alleine!

Tagsüber besteht das Abteil aus zwei Sitzbänken, abends klappt man die oberen zwei Betten aus. Zudem gibt es einen Tisch, Leselampen, Haken und tatsächlich einen Flachbildschirm (leider bleibt der die ganze Fahrt über ausgeschaltet). Jeder Wagon hat zwei Toiletten und einen Heißwasserbereiter. Zum Glück wussten wir das vorher und haben uns mit zwei Trinkflaschen und viel Tee, Kakao und Fertigsuppen eingedeckt. Das wird sich noch lohnen… Wir bekommen frische Bettwäsche, Bettlaken und ein Handtuch und machen uns schon mal bettfertig. Wir haben ein Bett oben und eins unten und sie sind tatsächlich ein bisschen größer als in den letzten Zügen. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlafen wir ein. Denn wir sind zumindest für die erste Nacht alleine im Abteil.

Die erste Nacht schlafen wir ziemlich gut und nach einem Frühstück bestehend aus Bananen, Keksen und Tee schauen wir einfach entspannt aus dem Zug und genießen die letzten Stunden in China. Gegen 13 Uhr machen wir uns mit Nick mal auf die Suche nach dem Speiswagen, welcher noch mit einer chinesischen Speisekarte und Besatzung aufwartet. Wir bestellen Rührei mit Tomaten, dazu ein chinesisches Bier und bestaunen zwei kantige Russen, die ziemlich hart am Glas hingen. Diverse Liköre, Biere und Wein haben sie um diese Zeit schon intus. Wir kommen mit ihnen ins Gespräch und die ersten Worte ihrerseits waren tatsächlich „Kalaschnikow“ und „Panzer“ und „Boom, Boom, Boom“! Ja, sie sind ziemliche Kriegsnarren, bleiben aber ansonsten freundlich und geben sogar ein Gläschen Wein aus.

Um 15 Uhr haben wir unseren ersten und letzten Stopp in China und zwar in Harbin. Hier konnten wir mal wieder „frische“ Luft schnappen und einen dieser Essenstände, die es an jedem Stopp geben soll, gab es auch. Da wir aber noch reichlich Proviant hatten, kaufen wir uns nur zwei Cola.

Hier steigen auch Tom und Vicki ein, zwei sehr nette Rentner aus den USA, die mit Nick das Abteil teilen. Abends gehen wir dann zu fünft in den Speisewagen, essen das letzte Mal chinesisch und teilen uns eine Flasche „The Great Wall“-Weißwein. Ein netter Abend!

Für jeden Wagon sind ein oder zwei russische Schaffner/innen zuständig, die für Ordnung in jeder Hinsicht sorgen. Sie haben ein eigenes Abteil mit kleiner Kochnische und in unserem Fall sind es abwechselnd zwei gutgenährte Schaffnerinnen, denen wir bis zum Schluss leider kein Lächeln entlocken können. Da hilft auch kein „spasiba“. Sie saugen Staub, putzen das Bad und schließen fleißig die Bäder vor jeder Einfahrt in den Bahnhof ab. Nervig, wenn man den ganzen Tag über literweise Tee trinkt.

In der Nacht geht es über die Grenze nach Russland. Die Passkontrolle verläuft unangenehm. Wir müssen kerzengerade stehen, Haare hinter die Ohren und dann wird unser Passbild verglichen. Bei Ricardo dauert das Minuten. Zwischendurch holen sie sogar die Lupe raus. Zum Glück ist Ricardo´s Bart ab, aber die längeren Haare verwirren sie wohl. Nachdem wir damit fertig sind, kommen alle paar Minuten Kontrolleure ins Abteil. Wieviel Geld, was für Essen, Taschen zeigen…

Frühmorgens kommen wir in Zabaikalsk an und haben 6,5 Stunden Aufenthalt, da dort der Speisewagen und die gesamten Räder des Zuges ausgewechselt werden müssen. Die Gleise sind in China und Russland nämlich unterschiedlich breit. Schade nur, dass wir hier im Nirgendwo sind. Zusammen mit Nick, dem Bulgaren und den zwei Amerikanern laufen wir ein bißchen durch den Ort und erkunden die Gegend. Leider gibt es hier kaum Geschäfte und die Wenigen haben aufgrund der frühen Uhrzeit noch geschlossen. Irgendwann finden wir dann doch einen Kiosk, wo wir Brot und richtigen (!) Käse kaufen. Da es unglaublich kalt ist (schätzungsweise so -15 Grad), machen wir uns dann doch wieder zurück zum Bahnhof. Wir sind froh, dass wir uns in China noch dicke Jacken, Mützen und Handschuhe gekauft haben.

Zurück am Bahnhof machen wir es uns in der Wartehalle „gemütlich“ und frühstücken das gerade gekaufte. Das schmeckt ja wie zu Hause! Wir kaufen noch Kekse und tauschen unsere letzten chinesischen Renminbi um. Es kommt uns wie eine Ewigkeit vor bis es endlich wieder weitergeht.

Abends gehen wir dann das erste Mal in den russischen Speisewagen. Das Essen ist zwar wesentlich teurer als noch im chinesischen, aber dafür auch leckerer. Und unser erstes russisches Bier gibt es hier auch. Zahlen kann man mit Rubel, Euro oder US Dollar, wobei der Wechselkurs für die letzten beiden schon hart ist.

Auch am nächsten Morgen sind wir noch alleine im Abteil und genießen die Ruhe. Wir essen meist Kekse und Tee zum Frühstücken und genießen dann wieder den Blick aus dem Fenster. Die letzten Monate waren doch anstrengend und so ist es eine nette Abwechslung auch mal nichts zu tun. Langweilen tun wir uns jedenfalls nicht. Wir hören Musik, gucken Filme und Serien auf unserem Laptop, spielen, essen, machen zwischendurch ein kleines Nickerchen und trinken gefühlte 20 Liter Tee am Tag. So geht der Tag auch vorbei. Ein paar Mal täglich gibt es ca. 20-30 minütige Stopps, an denen wir frische Luft schnappen, uns die Beine vertreten und uns mit neuen Keksen und manchmal auch Brot und Käse eindecken. Für große Erkundungen reicht diese Zeit aber leider nicht.

Wir sind etwas enttäuscht, da wir im Vorfeld gelesen hatten, es gäbe an jedem Bahnhof Essensstände von Einheimischen, aber bis auf den einen in China gab es weit und breit keine zu sehen. Wahrscheinlich lohnt es sich für die Verkäufer zu dieser Jahreszeit nicht, da der Zug nur etwa zu einem Drittel besetzt ist. In der Hauptsaison sieht das wohl anders aus.

An diesem Tag muss man zum Glück nicht in die Kälte hinaus, um ein weiteres Highlight zu sehen. Wir fahren nämlich direkt am Baikalsee vorbei, der zu dieser Zeit noch zugefroren ist. Es ist aber sehr beeindruckend wie riesig dieser See ist.

Die nächsten drei Tage verlaufen ähnlich. Auch wenn sich der ein oder andere vielleicht wundert, aber gelangweilt haben wir uns wirklich nicht. Bei jedem Stopp hoffen wir inständig, dass die neuen Fahrgäste nicht in unser Abteil kommen. Wir haben uns doch so an die nette Privatsphäre gewöhnt. Mit anderen Mitreisenden stellen wir uns die Fahrt nicht so entspannt vor.

Am letzten Abend war dann ein russischer Fahrgast doch so betrunken, dass er in unserem Wagon gesungen und gegrölt hat. Auf dem Weg aus dem Bad entkommt Hanna knapp einem Tänzchen mit ihm, da genau in dem Moment unsere Schaffnerin um die Ecke biegt und ihn auf Russisch zusammenschreit. Bei einem Kampf hätten wir definitiv auf sie gewetten…

Im Endeffekt hat sich das Daumendrücken gelohnt. So waren wir doch tatsächlich die ganzen sechs Nächte über alleine im Abteil!!! Was für ein Glück! Da hätten wir uns aber geärgert, wenn wir fast das Doppelte gezahlt hätten, um ein Zweibett-Abteil in der 1.Klasse zu haben.

Die Fahrt mit der Transib war eine tolle Idee! Es war noch einmal ein weiteres Highlight, was man nicht so schnell wieder erlebt. Vor allem waren wir froh, dass alles so gut geklappt hat, denn es war ja doch eine ziemlich spontane Entscheidung und im Ausland gar nicht so einfach zu planen.

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